Reanimation mit Covid-Schutzausrüstung

Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit bei Reanimation durch persönliche Covid-Schutzausrüstung nicht beeinträchtigt

Die Universitätsklinik für Notfallmedizin von MedUni Wien und AKH Wien zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Rettungsmedizin und der Wiederbelebung nach Herzstillstand. In einer gemeinsamen Studie von Puls, MedUni und Berufsrettung Wien konnte gezeigt werden, dass die Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit auch unter Covid-Schutzmaßnahmen sichergestellt ist. In lebensnahen Szenarien führten die NotfallsanitäterInnen der Berufsrettung Wien Wiederbelebungsmaßnahmen in voller Schutzausrüstung durch.

„Die Wiederbelebung nach Kreislaufstillstand, zum Beispiel im Rahmen des ‚plötzlichen Herztods‘, zählt zu den herausforderndsten Maßnahmen in der Rettungs- und Notfallmedizin.  Umso wichtiger ist es, dass diese oft lebensrettenden Maßnahmen auch in der derzeitigen Situation in der gewohnt hohen Qualität durchgeführt werden können.“ erklärt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls.

Ziel: Frühere Studien legten nahe, dass die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) die Qualität der der Intensivmedizin beeinträchtigt. Im Sinne eines größtmöglichen Selbstschutzes gilt das Tragen von FFP-Masken auch für Notfall-SanitäterInnen. Die Studie untersuchte, wie das Tragen einer FFP-Maske die Rettungskräfte bei grundlegenden lebenserhaltenden Maßnahmen (Reanimation) an PatientInnen mit einer möglichen SARS-CoV-2-Infektion beeinflusst.

Methoden: Um Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit in Reanimation-Situationen zu beurteilen, gibt es valide Testmethoden. Das Ziel der Studie war es, den Einfluss von verschiedenen Arten von FFP-Masken auf diese beiden neuropsychologischen Komponenten des Rettungsdienstpersonals in Reanimation-Situationen zu untersuchen.

An der Studie nahmen 48 SanitäterInnen teil. Für die Untersuchung wurden sie in Teams eingeteilt, die dann jeweils drei Stockwerke mit ihrer kompletten Notfall-Ausrüstung hinauf liefen und dort zwölf Minuten lang Reanimations-Szenarien entsprechend den aktuellen ECR-Leitlinien an Übungspuppen absolvierten. Dabei trugen sie entweder

  • keine FFP2-Maske,
  • eine FFP2-Maske mit Ausatemventil oder
  • eine herkömmliche FFP2-Maske.

Die Teams und Interventionssequenzen wurden ständig zufällig verändert. Ein Psychologe maß unmittelbar nach jedem Durchgang die Veränderung der Konzentrationsleistung aller Teilnehmenden.

Schlussfolgerung: PSA, einschließlich Masken mit und ohne Exspirationsventil, ist sicher in der Anwendung ohne Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit von Notfall-SanitäterInnen.

Zitation: The use of personal protection equipment does not negatively affect paramedics’ attention and dexterity: a prospective triple-cross over randomized controlled non-inferiority trial

Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine volume 30, Article number: 2 (2022) DOI: https://doi.org/10.1186/s13049-021-00990-3

Calvin Lukas Kienbacher, Jürgen Grafeneder, Katharina Tscherny, Mario Krammel, Verena Fuhrmann, Maximilian Niederer, Sabine Neudorfsky, Klaus Herbich, Wolfgang Schreiber, Harald Herkner, Dominik Roth

Entsendung von ErsthelferInnen bei außerklinischen Herzstillständen dringend empfohlen

Puls ist Teil der europäischen Forschungsgruppe „Citizen First Responders“. In einem Brief an den Herausgeber der medizinischen Fachzeitschrift Resuscitation wurde die Ausweitung von First Responder-Projekten gefordert.

Forschungshintergrund:
First Responder sind eine Ergänzung zum herkömmlichen Regel-Rettungsdienst, die entsendet werden, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe von PatientInnen mit einem präklinischen Herzstillstand befinden. Dabei kann es sich um Laien-ErsthelferInnen oder um „professionelle ErsthelferInnen“ wie zum Beispiel  PolizeibeamtInnen  und Feuerwehrleute im Dienst handeln.

In mehreren Regionen insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika werden gegenwärtig Laien- ErsthelferInnen nur zu Herzstillständen an öffentlichen Orten entsendet. Es wird vermutet, dass dies einerseits wahrscheinlich dem Schutz der ErsthelferInnen, PatientInnen und ihrer Angehörigen dienen soll, andererseits wird dadurch aber der Mehrheit der Opfer eines Herzstillstands systematische und effektive lebensrettende Ersthilfe verwehrt.

Es gibt drei Hauptgründe, warum ErsthelferInnen bei Herzstillständen auch an privaten Orten tätig werden sollten:

  • ungefähr 70 % aller Herzstillstände ereignen sich an privaten Orten,
  • Herzstillstände, die sich an privaten Orten ereignen, sind im Vergleich zu Herzstillständen an öffentlichen Orten mit einer geringeren Überlebensrate verbunden,
  • in Wohngebieten gibt es weniger Laien-Defibrillatoren als an öffentlichen Orten, wobei  ErsthelferInnen Laien-Defibrillatoren mitbringen und so auch schneller einsetzen könnten.

Die Sicherheit von ErsthelferInnen, PatientInnen und ihren Angehörigen ist von größter Bedeutung. Laien-ErsthelferInnen müssen sich daher unbedingt darüber im Klaren sein, dass die Übernahme eines Einsatzes immer auf Freiwilligkeit basiert.

Methode:
Es wurden retrospektiv fast 17.000 Einsätze in vier europäischen Ländern über einen Zeitraum von sechs Jahren ausgewertet. Die Mehrheit der ErsthelferInnen wurde zu privaten Orten entsandt (63  bis 82,8 %).

Ergebnisse:
Tabelle 1 zeigt die Zahl der gemeldeten Zwischenfälle im Verhältnis zur Zahl der Einsätze, an denen mindestens ein/e ErsthelferIn teilgenommen hat. Wir wissen jedoch nicht, wie oft LaienersthelferInnen einen Einsatz aus Sicherheitsgründen abgelehnt haben. Die meisten Systeme erlauben es den Freiwilligen, einen Einsatz jederzeit und ohne Angabe von Gründen abzulehnen oder abzubrechen.

RegionNumber of missions attended by at least one first responderNumber of reported adverse incidents
Austria, Vienna3612 *
Germany, Freiburg1 4360
Germany, Vorpommern-Greifswald1951 **
Sweden, Heartrunner System12 824<50
Switzerland, Basel and Baselland3110
Switzerland, Geneva2150
Switzerland, Ticino6590
Switzerland, Valais> 4500
Switzerland, Vaud5311*
Tabelle 1: Anzahl der gemeldeten Zwischenfälle (Gewalt, Diebstahl oder Bedrohung von ErsthelferInnen, PatientInnen oder Angehörigen) im Verhältnis zur Anzahl der besuchten ErsthelferInneneinsätze.
*Herzstillstand durch Selbstmord: Waffe an privatem Ort; ErsthelferInnen fühlten sich in ihrer Sicherheit nicht beeinträchtigt.
**Herzstillstand aufgrund von Drogenmissbrauch: Spritzen an einem privaten Ort; die ErsthelferInnen fühlten sich in ihrer Sicherheit nicht beeinträchtigt.

In allen Systemen, die in diese Analyse einbezogen wurden, werden die Laien-ErsthelferInnen systematisch nicht zu Notfällen entsandt, bei denen der Verdacht auf Verbrechen, Waffen, Gewalt, Feuer, Verkehrsunfälle oder andere potenziell gefährliche Situationen besteht. Es wird außerdem empfohlen, eine ständige Verbindung zwischen der Notrufzentrale und den Laien-ErsthelferInnen herzustellen, um den Einsatz jederzeit abbrechen zu können, wenn sich die Situation unerwartet als gefährlich erweist. Um die Sicherheit von PatientInnen und Angehörigen zu erhöhen, informiert die Leitstelle die Anrufenden über die sich nähernden ErsthelferInnen.

Etwa 70 % der befragten KanadierInnen und AmerikanerInnen gaben an, dass sie sich (sehr) wohl fühlen würden, wenn sie im privaten Umfeld einen Herzstillstand erleiden und ErsthelferInnen zu ihnen geschickt werden.

Um die Sicherheit von PatientInnen und Angehörigen zu erhöhen, verlangen die meisten Systeme von ihren ErsthelferInnen, dass sie sich mit Namen, Adresse und Qualifikation registrieren. Einige Systeme forden die Teilnahme an einer persönlichen Schulung.

Fazit:
Die Erfahrungen, die in vier verschiedenen europäischen Ländern über einen Zeitraum von sechs Jahren gesammelt wurden, legen nahe, dass die potenziellen Risiken des Einsatzes von Laien-ErsthelferInnen an privaten Orten beherrschbar sind, wenn Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Zitation: Elsevier B.V. | First published: 30 September 2021 | https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2021.09.026

AutorInnen: Camilla Metelmann | Bibiana Metelmann | Lukas Herzberg | Angelo Auricchio | Enrico Baldi | Claudio Benvenuti | Roman Burkart | David Fredman | Mario Krammel | Michael P. Müller | Tommaso Scquizzato | Remy Stieglis | Leif Svensson | Karl Christian Thies

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ERC-Leitlinien 2021 nachlesen

Die Leitlinien des European Resuscitation Council for Resuscitation (Europäischer Rat für Wiederbelebung) bieten spezifische Anweisungen, wie Wiederbelebung praktiziert werden sollte, und berücksichtigen sowohl die Lehr- und Lernfreundlichkeit als auch die Wissenschaft. Sie wurden von EuropäerInnen entwickelt und speziell mit Blick auf die europäische Praxis verfasst.

Hohe Qualität der Reanimation auch unter Covid-Bedingungen sichergestellt

Die Universitätsklinik für Notfallmedizin von MedUni Wien und AKH Wien zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Rettungsmedizin und der Wiederbelebung nach Herzstillstand. In einer gemeinsamen Studie von Puls, MedUni und Berufsrettung Wien konnte gezeigt werden, dass die hohe Behandlungsqualität auch unter Covid-Schutzmaßnahmen sichergestellt werden kann. In lebensnahen Szenarien führten die NotfallsanitäterInnen der Berufsrettung Wien Wiederbelebungsmaßnahmen in voller Schutzausrüstung durch.

„In der nun im Top-Journal ‚Resuscitation‘ zur Publikation angenommenen Studie konnten wir zeigen, dass die hohe Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen auch unter Covid-Vollschutz aufrecht erhalten werden kann“, so Studien-Erstautor Dr. Calvin Lukas Kienbacher. „Wir haben dabei sowohl die Wirksamkeit der Reanimation selbst, als auch die körperliche Belastung der HelferInnen untersucht.“ „Die Wiederbelebung nach Kreislaufstillstand, zum Beispiel im Rahmen des ‚plötzlichen Herztods‘, zählt zu den herausforderndsten Maßnahmen in der Rettungs- und Notfallmedizin.  Umso wichtiger ist es, dass diese oft lebensrettenden Maßnahmen auch in der derzeitigen Situation in der gewohnt hohen Qualität durchgeführt werden können.“ ergänzt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls.

Ziel: Frühere Studien legten nahe, dass die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung die Qualität der der Intensivmedizin beeinträchtigt. Untersucht wurde der Einfluss von persönlicher Schutzausrüstung auf die präklinische Reanimation durch Rettungsdienstpersonal.

Methoden: Randomisierte, kontrollierte, non-inferiorityTriple-Crossover-Studie. Achtundvierzig Notfallssanitäter randomisiert in Zweierteams, führten 12 Minuten Basic Life Support an einer Übungspuppe durch. Drei Szenarien wurden in einer randomisierter Reihenfolge durchgeführt:

  • Ohne persönliche Schutzausrüstung, mit persönlicher Schutzausrüstung
  • mit persönlicher Schutzausrüstung einschließlich einer Filtermaske (FFP) 2 mit Ventil und
  • mit persönlicher Schutzausrüstung einschließlich einer FFP2-Maske ohne Ventil.

Als primärer Endpunkt wurde die Drucktiefe der Thoraxkompression definiert. Zu den sekundären Endpunkten gehörten andere Messungen der Reanimationsqualität, die subjektive Erschöpfung sowie die Vitalparameter der Helffer, einschließlich deren endtidalem CO2.

Schlussfolgerung: PSA, einschließlich Masken mit und ohne Exspirationsventil, ist sicher in der Anwendung ohne Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der HLW-Qualität.

Zitation: The use of personal protection equipment does not impair the quality of cardiopulmonary resuscitation – A prospective triple-cross over randomised controlled non-inferiority trial

Open AccessPublished: January 29, 2021 DOI: https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2021.01.021

Calvin Lukas Kienbacher, Jürgen Grafeneder, Katharina Tscherny, Mario Krammel, Verena Fuhrmann, Maximilian Niederer, Sabine Neudorfsky, Klaus Herbich, Wolfgang Schreiber, Harald Herkner, Dominik Roth

Smartphone-basierter Einsatz von kommunalen Ersthelfern bei außerklinischem Herzstillstand – Statements einer internationalen Konsenskonferenz

Für Österreich war Puls im Rahmen der internationalen Konsensuskonferenz 2019 in Greifswald vertreten und stellte die Wiener Lebensretter App vor. Aktuell erschien eine wissenschaftliche Publikation mit den Kernstatements und Empfehlungen für Smartphone-basierte Alarmierungssysteme für Ersthelfer.

Hintergrund: In den letzten zehn Jahren hat die Smartphone-basierte Aktivierung von Ersthelfern bei präklinischem Herzstillständen in ganz Europa viel Aufmerksamkeit und Popularität gewonnen. Es wurden verschiedene Programme etabliert. Interessanterweise gibt es erhebliche Unterschiede in der Technologie, im Ausbildungsstand der First Responder und im Grad der Integration in den prähospitalen Rettungsdienst. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand in fünf europäischen Ländern, zeigt Gemeinsamkeiten und Kontroversen auf und stellt Konsenserklärungen vor, die auf einer internationalen Konferenz mit der Absicht erarbeitet wurden, die öffentliche Entscheidungsfindung über zukünftige Strategien zu unterstützen.

Methoden: In einer Konsensus-Konferenz wurde ein dreistufiger Ansatz gewählt:

  • Präsentation aktueller Forschungsergebnisse aus fünf europäischen Ländern;
  • Workshops, in denen die Evidenz unter den Zuhörern diskutiert wurde, um Konsensus-Statements zu generieren;
  • anonyme Echtzeit-Abstimmung unter Anwendung der modifizierten RAND-UCLA Appropriateness-Methode zur Annahme oder Ablehnung der Statements. Das Konsensus-Panel zielte darauf ab, alle an diesem Thema beteiligten Akteure zu repräsentieren.

Ergebnisse: Während 21 von 25 generierten Statements Zustimmung fanden, wurde nur für 5 von ihnen ein Konsens gefunden. Eine Aussage wurde abgelehnt, jedoch ohne Konsens. Die Mitglieder der Konsenskonferenz bestätigten, dass Ersthelfersysteme Leben rettet. Weiters wurde die wichtige Rolle der Rettungsleitstellen anerkannten und landesweit einheitliche Strategien gefordert.

Schlussfolgerungen: Die Mitglieder der Konsenskonferenz bestätigten, dass die Smartphone-basierte Aktivierung von First Respondern zu plötzlichem Herzstillstand Leben rettet. Die Aussagen der Konsenskonferenz können der Öffentlichkeit, den Gesundheitsdiensten und den Regierungen dabei helfen, das Potenzial dieser Systeme voll auszuschöpfen, und gleichzeitig aufzeigen, welche Bereiche noch wissenschaftlich belegt werden müssen.

Zitation: Metelmann et al., Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine (2021) https://doi.org/10.1186/s13049-021-00841-1

Camilla Metelmann, Bibiana Metelmann, Dorothea Kohnen, Peter Brinkrolf, Linn Andelius, Bernd W. Böttiger, Roman Burkart, Klaus Hahnenkamp, Mario Krammel, Tore Marks, Michael P. Müller,Stefan Prasse, Remy Stieglis, Bernd Strickmann, Karl Christian Thies

Lagerung der Betroffenen im Fall eines außerklinischen Herzstillstands

Die aktuelle Studie von Wagner, Schlösser, Braun et al. untersucht, wie sich bei einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses die Positionierung der Betroffenen durch umstehende Personen auf die Reanimation mittels Herzdruckmassage auswirkt. Die nachstehende sinngemäße Übersetzung des Abstracts zum Fachartikel soll Laien einen Überblick geben. Fachleuten empfehlen wir, den Original-Artikel online nachzulesen unter BMJ Open2020;10:e037676. doi:10.1136/bmjopen-2020-037676

Titel der Studie:
Ist bei einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses die Positionierung der betroffenen Personen durch Umstehende für die CPR angemessen?

Forschungsgegenstand:
Das Ergebnis nach einem Herzstillstand außerhalb der Klinik hängt in hohem Maße von der kardiopulmonalen Reanimation mit einer qualitativ hochwertigen Herzdruckmassage ab. Voraussetzung ist eine Rückenlage der Betroffenen auf einer festen Unterlage. Bislang wurde in keiner Studie systematisch analysiert, ob ZeugInnen des Einsatzfalles dafür sorgen, dass die Betroffenen in eine dafür geeignete Position gebracht werden und wie sich diese auf das Ergebnis der Reanimation auswirkt.

Studiendesign:
Beobachtende Kohortenstudie

Setting:
Rettungsorganisationen in Städten mit mehr als 400.000 Menschen, die ErsthelferInnen zur CPR anleiten. Es wurden Informationen aus dem ersten vor Ort eintreffenden Notfall-Fahrzeug herangezogen, die mit Daten aus halbstrukturierten Interviews mit den ZeugInnen des Einsatzfalles abgestimmt wurden.

Studien-TeilnehmerInnen:
ZeugInnen des Einsatzfalles aller OHCAs, die während eines Zeitraums von 12 Monaten (Juli 2006 bis Juli 2007) auftraten. Von 201 in Frage kommenden Einsätzen wurden 200 Einsätze vollständig von den Rettungsorganisationen gemeldet. Daten aus 138 Befragungen von ZeugInnen des Einsatzfalles wurden einbezogen.

Messung des primären und sekundären Ergebnisses:
Anteil der Positionen, die für eine effektive Herzdruckmassage geeignet sind; damit verbundenes Überleben mit günstigem, neurologischem Ergebnis nach 3 Monaten.

Ergebnisse:
Die Positionierung der Betroffenen bei Eintreffen des Rettungsdienstes war in 64 Fällen (32,0%) „auf dem Rücken liegend auf fester Unterlage“, in 37 Fällen (18,5%) „stabile Seitenlage“ und in 99 Fällen (49,5%) andere Positionen, die für eine Herzdruckmassage ungeeignet sind. Die Überlebensrate bei günstigem Ergebnis nach 3 Monaten betrug 17,2% bei Anwendung der „Rückenlage“, 13,5% bei „stabiler Seitenlage“ und 6,1% bei „anderen für Herzdruckmassage ungeeigneten Positionen“; ein statistisch signifikanter Zusammenhang konnte nicht nachgewiesen werden (p=0,740, exakter Test nach Fisher). Nach „effektiver Herzdruckmassage“ betrug der gute neurologische Outcome nach 3 Monaten jedoch 32,0%, verglichen mit 5,3%, wenn keine Maßnahmen ergriffen wurden. Die OR lag bei 5,87 (p=0,02).

Schlussfolgerung:
Bei einem Herzstillstand außerhalb der Klinik wurden zwei Drittel aller Betroffenen in Positionen gefunden, die für eine effektive Herzdruckmassage nicht geeignet waren. Dies führte zu unbefriedigenden Ergebnissen. Ein erheblicher Anteil der Betroffenen wurde in die stabile Seitenlage gebracht. Daher sollte der korrekten Positionierung der Betroffenen bei Herzstillstand außerhalb der Klinik mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dies gilt für CPR-Schulungen für Laien und deren Anleitung im Ernstfall durch die Rettungsdienste.

Zitation:
Wagner P, Schloesser S, Braun J, et al. In out-of-hospital cardiac arrest, is the positioning of victims by bystanders adequate for CPR? A cohort study.
Artikel online nachlesen unter: BMJ Open2020;10:e037676. doi:10.1136/bmjopen-2020-037676

Herzstillstand: Der Einfluss eines polizeilichen Erstversorgungssystems

Unter der Leitung von Mario Krammel (MUW, Puls, Berufsrettung Wien) und Elisabeth Lobmeyr (MUW, Puls) hat ein 12-köpfiges Forscherteam der Medizinischen Universität Wien (MUW) und Puls (Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes) insgesamt 85 Einsatzfälle der Polizei untersucht, bei der AEDs zum Einsatz kamen. Damit sollte der Einfluss eines qualitativ hochwertigen polizeilichen Erstversorgungssystems auf ein qualitätsvolles Leben nach einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses nachgewiesen werden.

Abbildung: Kaplan-Meier-Überlebensdiagramm, das Patienten mit Polizei-AED mit Patienten ohne Polizei-AED vergleicht, unter Verwendung des Log-Rank-Tests (p = 0,048). 
AED= automatische externe Defibrillation.
Abbildung: Kaplan-Meier survival plot comparing patients receiving police AED to patients without police AED using log rank test (p = 0.048). AED= automated external defibrillation.

Ausgangssituation:
Die Bemühungen von Laien, bei einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses (OHCA) eine grundlegende Lebenserhaltung (BLS) zu initiieren, sind in der westlichen Gesellschaft nach wie vor vergleichsweise gering. Daher wurden zur Verkürzung der No-Flow-Zeiten bei Herzstillstand in städtischen Gebieten mehrere mit automatisierten externen Defibrillatoren (Pol-AED) ausgestattete polizeiliche Erstversorgungssysteme eingerichtet, die in der Folge eine frühzeitige BLS- und AED-Verabreichung durch Polizeibeamte ermöglichen. Daten über die Qualität des Einsatzes von BLS und AED in einem solchen System und seine Auswirkungen auf das PatientInnenergebnis sind jedoch nach wie vor limitiert und lassen keine allgemein gültigen Schlussfolgerungen zu.

Methode:
Daher wurden im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung insgesamt 85 Pol-AED-Fälle nach dem Zufallsprinzip einer geschlechts-, alters- und rhythmusangepassten Nicht-Pol-AED-Kontrollgruppe (n = 170) im Verhältnis 1:2 zugeordnet. Daten zur Qualität der BLS wurden über transthorakale Impedanz-Verfolgung der verwendeten AED-Geräte extrahiert.

Ergebnisse:
Beim Vergleich von Pol-AED-Fällen und der Kontrollgruppe konnte eine ähnliche Kompressionsrate pro Minute (p = 0,677) und ein ähnliches Kompressionsverhältnis (p = 0,651) beobachtet werden, was eine insgesamt hohe Qualität der von PolizeibeamtInnen verabreichten BLS widerspiegelt. Die Zeit bis zum ersten Schock war in Pol-AED-Fällen signifikant kürzer (6 Minuten [IQR: 2-10] vs. 12 Minuten [IQR: 8-17]; p<0,001). Während Pol-AED nicht mit einer erhöhten anhaltenden Rückkehr der spontanen Zirkulation (p = 0,564) assoziiert war, wurde eine starke und unabhängige Auswirkung auf das Überleben bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus (adj. OR: 1,85 [95%CI: 1,06-3,23; p = 0,030]) und eine Borderline-Signifikanz für die Assoziation mit einem günstigen neurologischen Ergebnis (adj. OR: 1,58 [95%CI: 0,96-2,89; p = 0,052) beobachtet.

Schlussfolgerung:
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass in den bewerteten Pol-AED Fällen ein frühzeitiges qualitätsvolles BLS  und der Einsatz eines hochwertigen AEDs nachgewiesen werden konnte. Demnach beeinflusst eine Pol-AED-Versorgung die Überlebensrate positiv und wirkt sich darüber hinaus in neurologischer Hinsicht signifikant auf ein qualitätsvolles Leben der PatientInnen aus.

AutorInnen:

  • Mario Krammel (MUW | Puls | Berufsrettung Wien)
  • Elisabeth Lobmeyr (MUW | Puls)
  • Patrick Sulzgruber (MUW | Puls)
  • Markus Winnisch (MUW | Puls)
  • David Weidenauer (MUW | Puls)
  • Michael Poppe (MUW)
  • Philip Datler (MUW)
  • Sebastian Zeiner (MUW)
  • Markus Keferboeck (MUW)
  • Jakob Eichelter (Puls)
  • Thomas Hamp (MUW | Puls)
  • Thomas Uray (MUW)
  • Sebastian Schnaubelt (MUW | Puls)
  • Alexander Nürnberger (MUW)

Vollständigen Fachartikel nachlesen unter: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0233966