Puls on Tour: Reanimationsschulungen bei der PVA

In den vergangenen Wochen fanden bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mehrere Reanimationstrainings für MitarbeiterInnen statt. An insgesamt fünf Trainingstagen konnten sich haben die MitarbeiterInnen mit Reanimation vertraut machen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sehr motiviert und haben engagiert an den Reanimationspuppen trainiert. Darüber hinaus wurde auch der Umgang mit dem Defi geübt, was sich für die meisten als erster Berührungspunkt mit einem Defi überhaupt herausstellte.

HERZlichen Dank für die Initiative! Wir gratulieren den neuen Lebensretterinnen und Lebensrettern.

Jetzt für die Lebensretter-App registrieren!

Mit Hilfe der App werden registrierte Ersthelferinnen und Ersthelfer über einen Notfall in ihrer Nähe informiert. Die App führt sie direkt zu den betroffenen Personen.

Besuche auch du einen unserer 2-stündigen Abend- oder Samstagkurse und (re)zertifiziere dich für die Lebensretter-APP. Voraussetzung ist, dass du 18 Jahre alt bist und einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs absolviert hast.

Die Teilnahme ist kostenlos und nur nach vorheriger schriftlicher Anmeldung möglich.

Veranstaltungsort:

  • PULS-Zentrum
  • 1090 Wien, Lichtentaler Gasse 4 | Eingang um die Ecke in der Salzergasse

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Du hast Fragen? – Wende dich bitte an:

Jede Sekunde zählt!

Heuer konnten wir endlich wieder am 1. Mai beim traditionellen Wiener Praterfest teilnehmen. Das Interesse der Besucherinnen und Besucher war groß und unsere Reanimationspuppen standen im Dauereinsatz. Besonders gefreut hat uns der Besuch von Puls-Mitglied Bürgermeister Michael Ludwig, der SPÖ-Chefin und Ärztin Pamela Rendi-Wagner gleich vorgeführt hat, wie er im Ernstfall selbst einen Beitrag leisten kann. Puls-Mitglieder wissen: „Jede Sekunde zählt!“

Besonderer Dank gilt unseren ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfern, die den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern an unserem Stand den ganzen Tag lang Reanimation im Fall des plötzlichen Herzstillstandes erklärt und angeleitet haben. Sehr viele waren überrascht, wie tief und vor allem schnell man drücken muss, aber auch, dass man nichts falsch machen kann, außer wenn man nichts tut.

Lebensretter-Pokal für Puls

Am 14. Jänner erhielt Puls bereits zum zweiten Mal eine Auszeichnung vom Verein Lebensretter (www.lebensretter.at) für den stärksten Zuwachs an LebensretterInnen im Jahr 2021. Puls-Vorstandsmitglied Gerhard Kubiczek, der seitens Puls das Projekt Lebensretter und die in der App registrierten Freiwilligen betreut, hat gemeinsam mit Lebensretter-Präsident Dr. Jörg Jakobljevich den Pokal übergeben.

Entgegengenommen hat diesen stellvertretend für die in der Lebensretter-App registrierten und von Puls betreuten Polizistinnen und Polizisten der Landespolizeidirektion Wien der Vorstand des Büros für Öffentlichkeitsarbeit Hofrat Mag. Manfred Reinthaler, MA.

Puls bedankt sich bei der Wiener Polizei für das beispielgebende Engagement und gratuliert recht herzlich.

Weitere Informationen unter https://www.puls.at/projekte/lebensretter-app/

Reanimation mit Covid-Schutzausrüstung

Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit bei Reanimation durch persönliche Covid-Schutzausrüstung sichergestellt

Die Universitätsklinik für Notfallmedizin von MedUni Wien und AKH Wien zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Rettungsmedizin und der Wiederbelebung nach Herzstillstand. In einer gemeinsamen Studie von Puls, MedUni und Berufsrettung Wien konnte gezeigt werden, dass die Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit auch unter Covid-Schutzmaßnahmen sichergestellt ist. In lebensnahen Szenarien führten die NotfallsanitäterInnen der Berufsrettung Wien Wiederbelebungsmaßnahmen in voller Schutzausrüstung durch.

„Die Wiederbelebung nach Kreislaufstillstand, zum Beispiel im Rahmen des ‚plötzlichen Herztods‘, zählt zu den herausforderndsten Maßnahmen in der Rettungs- und Notfallmedizin.  Umso wichtiger ist es, dass diese oft lebensrettenden Maßnahmen auch in der derzeitigen Situation in der gewohnt hohen Qualität durchgeführt werden können.“ erklärt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls.

Ziel: Frühere Studien legten nahe, dass die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) die Qualität der der Intensivmedizin beeinträchtigt. Im Sinne eines größtmöglichen Selbstschutzes gilt das Tragen von FFP-Masken auch für Notfall-SanitäterInnen. Die Studie untersuchte, wie das Tragen einer FFP-Maske die Rettungskräfte bei grundlegenden lebenserhaltenden Maßnahmen (Reanimation) an PatientInnen mit einer möglichen SARS-CoV-2-Infektion beeinflusst.

Methoden: Um Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit in Reanimation-Situationen zu beurteilen, gibt es valide Testmethoden. Das Ziel der Studie war es, den Einfluss von verschiedenen Arten von FFP-Masken auf diese beiden neuropsychologischen Komponenten des Rettungsdienstpersonals in Reanimation-Situationen zu untersuchen.

An der Studie nahmen 48 SanitäterInnen teil. Für die Untersuchung wurden sie in Teams eingeteilt, die dann jeweils drei Stockwerke mit ihrer kompletten Notfall-Ausrüstung hinauf liefen und dort zwölf Minuten lang Reanimations-Szenarien entsprechend den aktuellen ECR-Leitlinien an Übungspuppen absolvierten. Dabei trugen sie entweder

  • keine FFP2-Maske,
  • eine FFP2-Maske mit Ausatemventil oder
  • eine herkömmliche FFP2-Maske.

Die Teams und Interventionssequenzen wurden ständig zufällig verändert. Ein Psychologe maß unmittelbar nach jedem Durchgang die Veränderung der Konzentrationsleistung aller Teilnehmenden.

Schlussfolgerung: PSA, einschließlich Masken mit und ohne Exspirationsventil, ist sicher in der Anwendung ohne Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit von Notfall-SanitäterInnen.

Zitation: The use of personal protection equipment does not negatively affect paramedics’ attention and dexterity: a prospective triple-cross over randomized controlled non-inferiority trial

Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine volume 30, Article number: 2 (2022) DOI: https://doi.org/10.1186/s13049-021-00990-3

Calvin Lukas Kienbacher, Jürgen Grafeneder, Katharina Tscherny, Mario Krammel, Verena Fuhrmann, Maximilian Niederer, Sabine Neudorfsky, Klaus Herbich, Wolfgang Schreiber, Harald Herkner, Dominik Roth

Charity-Punsch für´s Herz

Puls-Präsident Harry Kopietz lädt seit 13 Jahren traditioneller Weise anlässlich seines Geburtstages Mitte Dezember zum „Charity-Punsch für´s Herz“ ein. Leider ist das – wie bereits auch im letzten Jahr – heuer aufgrund der Pandemie wieder nicht möglich. Sehr bedauerlich, denn dadurch entgeht dem Verein Puls viel Spendengeld für die so notwendigen Projekte. Immerhin konnte durch diese Projekte in Wien die Überlebensrate von Betroffenen in den letzten zehn Jahren bereits mehr als verdoppelt werden!

Da Harry Kopietz davon überzeugt ist, dass ein persönliches Treffen, Unterhaltung und Punschtrinken zwar nett, jedoch die Spende und das Anliegen, den Verein Puls im Kampf gegen den plötzlichen Herztod unterstützen zu wollen, das eigentlich Wichtige ist, soll nun auf diesem Weg um eine Online-Spende gebeten werden. – 2020 hat diese Variante jedenfalls sehr gut funktioniert!

Zur Online-Spende: https://www.puls.at/spenden/

Wir bedanken uns jetzt schon für die Unterstützung und Harry Kopietz wird zudem jedem/r Spender/in auch ein persönliches Dankschreiben für die erhaltene Spende übermitteln.

Anmerkung:
Puls zählt zu den spendenbegünstigten Einrichtungen und damit ist die Spende steuerlich als Sonderausgabe absetzbar. Wir übermitteln den Betrag der Zuwendung unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen an das Finanzamt, sodass der Betrag nicht in die Steuererklärung extra aufgenommen werden muss. Dazu ist erforderlich, dass Vor- und Zunamen, Geburtsdatum und Adresse bekannt gegeben werden.

Alle Fotos wurden bei der Puls-Weihnachtsfeier im Dezember 2019 gemacht.

ARBÖ-Pannenfahrzeuge werden mit Defis ausgestattet

Der ARBÖ Wien hat den jährlich wiederkehrenden Aktionstag „Tag der Wiederbelebung“ am 16. Oktober zum Anlass genommen und präsentiert gemeinsam mit PULS seine neue Initiative: Noch in diesem Jahr werden alle Pannenfahrzeuge des ARBÖ Wien mit Defis ausgestattet sein. Alle Pannenfahrer erhalten eine entsprechende Schulung, um im Ernstfall helfen zu können.

„Wir sind zwar keine Rettungsorganisation, unsere Pannenfahrer sind aber rund um die Uhr in ganz Wien im Einsatz. Wir können so unseren Beitrag leisten, und im Notfall Teil der Rettungskette sein. Wir sehen diese Aufgabe als sehr wichtig an und sind für den Fall der Fälle gut gerüstet“, so Günther Schweizer, Landesgeschäftsführer des ARBÖ-Wien, anlässlich der Präsentation.

Mario Krammel, geschäftsführender Präsident von Puls und Chefarzt der Berufsrettung Wien, begrüßt diese Initiative, weil dadurch die Rettungsleitstelle im Bedarfsfall auf weitere Defis zugreifen kann – ähnlich wie bei den Wiener Polizei- und Feuerwehr-Einsatzfahrzeugen, die ebenfalls über einen Defi als auch über entsprechend geschultes Personal verfügen.

Auch Puls-Präsident Harry Kopietz, freut sich über den neuen Kooperationspartner: „Der ARBÖ ist für uns ein wichtiger Kooperationspartner. Wir freuen uns sehr, dass uns der ARBÖ Wien ab sofort im Kampf gegen plötzlich Herztod unterstützt.“

Wiener Sensenmann verstärkt unser Marketing-Team

Bisher im Beenden von Leben tätig wechselt der Wiener Sensenmann die Seiten und wird ab sofort Puls in den Bereichen der Öffentlichkeitsarbeit und der Bewusstseinsschaffung verstärken.

„Der Wiener Sensenmann bringt jahrelange Erfahrung in der Branche sowie neue Sichtweisen über das Leben und den Tod mit. Wir sind froh, seine Meinung über den DEFI geändert zu haben und begrüßen ihn herzlich bei uns im Team“, zeigt sich Puls-Präsident Harry Kopietz glücklich.

Für den Wiener Sensenmann selbst ist dieser Schritt die logische Schlussfolgerung aus der jüngsten Entwicklung des Geschäftsfeldes: „Der Verein Puls leistet seit Jahren hervorragende Arbeit. Natürlich wusste ich das schon länger, zugeben konnte ich es aufgrund meiner Position aber nicht. Für mich machte meine Arbeit in Wien seit Monaten wenig Sinn, umso glücklicher bin ich heute, meinen Wechsel zum Verein Puls bekannt geben zu dürfen. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und kann es kaum erwarten, Leben zu lassen.“

Eine Nachricht, die wohl viele Menschen schockt und in Zukunft hoffentlich für noch mehr lebensrettende Schocks sorgen wird.

Rückfragen an:
Puls – Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes
office@puls.at

Kids save lives – Austria: Wiederbelebung ist kinderleicht

Gemeinsame Erklärung des Österreichischen Rats für Wiederbelebung (Austrian Resuscitation Council) zum Weltreanimationstag – offener Brief an Bundesminister Dr. Wolfgang Mückstein und Bundesminister Univ. Prof. Dr. Heinz Faßmanndesminister Univ. Prof. Dr. Heinz Faßmann

Hintergrund
Der plötzliche Herztod gilt in der westlichen Welt als dritthäufigste Todesursache. Statistisch betrachtet erleidet jeder zehnte Mensch einen außerklinischen Herzstillstand. Von den 12.000 Österreicherinnen und Österreichern, die im Laufe eines Jahres einen plötzlichen Herzstillstand erleiden, versterben etwa 10.000. In mehr als 60 Prozent wird ein Herzstillstand von Laien beobachtet.

Wenn Laien sofort mit der Herzdruckmassage beginnen, verdreifacht sich die Überlebensrate. Mehr als 1.000 Menschen könnten also zusätzlich gerettet werden, wenn Anwesende sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Der Rettungsdienst kommt im Durchschnitt nach frühestens acht bis elf Minuten, Gehirnzellen sterben jedoch bereits nach drei bis fünf Minuten.

Der zentrale und nachhaltige Schlüssel zur Erhöhung der Ersthelferrate ist nachgewiesenermaßen der verpflichtende Schulunterricht in Wiederbelebung, am besten noch vor der Pubertät. In skandinavischen Ländern ist Wiederbelebung seit 15 und mehr Jahren im Lehrplan der Grundschulen verankert – dort liegt die Ersthelferrate bei 60 bis 80 Prozent. Auch in Italien, Portugal, Belgien, Dänemark und Frankreich bestehen gesetzliche Vorgaben für den Reanimationsunterricht in Schulen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit 2015 die KIDS SAVE LIVES Initiative.

Ich kann Leben retten
Beispielgebend für Österreich ist das Wiener Pionierprojekt „Ich kann Leben retten!“ vom Verein PULS. Hier werden pro Schuljahr gesamt 30.000 Kinder der 3. und 6. Schulstufe in Wiederbelebung geschult.

Zum Weltreanimationstag, dem 16. Oktober hat der Deutsche Rat für Wiederbelebung die Social Media Initiative #ichrettedeinleben bzw. www.ichrettedeinleben.de ins Leben gerufen, mit der Forderung Reanimationsunterricht für alle Schüler:innen ab der 7. Schulstufe. Bisher wurden hier 53.732 Unterstützungen gesammelt.

Italien hat im August 2021 ein bemerkenswertes und vorbildliches Gesetz erlassen, um die Rate von Wiederbelebung sowie die Verwendung von öffentlich zugänglichen
automatisierten Defibrillatoren (AED) deutlich zu verbessern. Sehen Sie dazu im Anhang dieses Gesetz in deutscher Übersetzung.

In Irland, Schottland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Portugal und die Schweiz sind seit Jahren bundesweite Reanimationsregister implementiert. Die hier eingegebenen Daten werden im Rahmen von Qualitätssicherung laufend evaluiert. Ein entsprechendes Register für Österreich würde helfen, genaue nationale Daten zu generieren und damit die Bemühungen verbessern, Tod durch plötzlichen Herzstillstand zu vermeiden. Ein österreichisches Reanimationsregister sollte installiert werden.

Anlässlich der Aktion „World Restart A Heart Day 2021“ fordern ärztliche Vertreterinnen und Vertreter österreichischer Rettungs- und Notarztorganisationen sowie medizinischer Fachgesellschaften wie folgt:

  • Auch in Österreich soll die Ausbildung von Schulkindern in Wiederbelebung und deren kontinuierliche Wiederholung gesetzlich verankert werden.
  • Wiederbelebung muss zur Kulturfertigkeit werden, wie Lesen, Schreiben, Rechnen.
  • Die strukturierte telefonische Anleitung von Reanimationsmaßnahmen durch das Personal der medizinischen Notruf-Leitstellen soll österreichweit verpflichtend eingeführt, standardisiert und qualitätsgesichert durchgeführt werden.
  • Nur was wir messen, können wir verbessern: Um jährlich und zeitnahe österreichweite Aussagen über die präklinische Reanimation und die Ergebnisse treffen zu können, ist ein österreichisches Netzwerk von Reanimationsbeauftragten und ein idealerweise bundeseinheitliches Reanimationsregister notwendig.

Die Erklärung zum „World Restart A Heart Day 2021“ unterzeichnen:

  • Österreichischer Rat für Wiederbelebung (ARC):
    Univ.-Prof. Dr. Michael Baubin MSc, Innsbruck und Dr. Joachim Schlieber, Salzburg
  • Österreichische Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI):
    PrimarPriv.-Doz. Dr. Helmut Trimmel MSc, Wiener Neustadt
  • Österreichische Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖNK):
    Primar Dr. Reinhard Doppler, Rottenmann
  • Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit:
    Primar Priv.-Doz. Dr. Peter Paal, Salzburg
  • ÖAMTC Flugrettung:
    Primar Univ. Prof. Dr. Wolfgang Voelckel MSc, Salzburg
  • Österreichisches Rotes Kreuz:
    Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schreiber, Bundeschefarzt, Wien
  • Arbeiter-Samariterbund Österreichs:
    Primar a.D. Prof. Dr. Michael Gruska, Bundeschefarzt und Dr. Regina Gabriel, stv. Bundeschefärztin, Wien
  • Johanniter-Unfall-Hilfe in Österreich:
    Primar Dr. Christian Emich, Bundesarzt, Wien
  • Malteser Hospitaldienst Austria:
    Primar Priv.-Doz. Dr. Dr. Thomas Hausner, Bundesarzt, Wien
  • Bergrettungsdienst Österreich:
    OA Dr. Alexander Egger MSc, Chefarzt, Scheibbs
  • Berufsrettung Wien, MA70 und Verein „Puls“:
    Chefarzt Dr. Mario Krammel, Wien
  • Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Landes Tirol:
    Dr. Adolf Schinnerl, Kufstein

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Gesetzesentwurf als PDF ansehen

Entsendung von ErsthelferInnen bei außerklinischen Herzstillständen dringend empfohlen

Puls ist Teil der europäischen Forschungsgruppe „Citizen First Responders“. In einem Brief an den Herausgeber der medizinischen Fachzeitschrift Resuscitation wurde die Ausweitung von First Responder-Projekten gefordert.

Forschungshintergrund:
First Responder sind eine Ergänzung zum herkömmlichen Regel-Rettungsdienst, die entsendet werden, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe von PatientInnen mit einem präklinischen Herzstillstand befinden. Dabei kann es sich um Laien-ErsthelferInnen oder um „professionelle ErsthelferInnen“ wie zum Beispiel  PolizeibeamtInnen  und Feuerwehrleute im Dienst handeln.

In mehreren Regionen insbesondere in den Vereinigten Staaten von Amerika werden gegenwärtig Laien- ErsthelferInnen nur zu Herzstillständen an öffentlichen Orten entsendet. Es wird vermutet, dass dies einerseits wahrscheinlich dem Schutz der ErsthelferInnen, PatientInnen und ihrer Angehörigen dienen soll, andererseits wird dadurch aber der Mehrheit der Opfer eines Herzstillstands systematische und effektive lebensrettende Ersthilfe verwehrt.

Es gibt drei Hauptgründe, warum ErsthelferInnen bei Herzstillständen auch an privaten Orten tätig werden sollten:

  • ungefähr 70 % aller Herzstillstände ereignen sich an privaten Orten,
  • Herzstillstände, die sich an privaten Orten ereignen, sind im Vergleich zu Herzstillständen an öffentlichen Orten mit einer geringeren Überlebensrate verbunden,
  • in Wohngebieten gibt es weniger Laien-Defibrillatoren als an öffentlichen Orten, wobei  ErsthelferInnen Laien-Defibrillatoren mitbringen und so auch schneller einsetzen könnten.

Die Sicherheit von ErsthelferInnen, PatientInnen und ihren Angehörigen ist von größter Bedeutung. Laien-ErsthelferInnen müssen sich daher unbedingt darüber im Klaren sein, dass die Übernahme eines Einsatzes immer auf Freiwilligkeit basiert.

Methode:
Es wurden retrospektiv fast 17.000 Einsätze in vier europäischen Ländern über einen Zeitraum von sechs Jahren ausgewertet. Die Mehrheit der ErsthelferInnen wurde zu privaten Orten entsandt (63  bis 82,8 %).

Ergebnisse:
Tabelle 1 zeigt die Zahl der gemeldeten Zwischenfälle im Verhältnis zur Zahl der Einsätze, an denen mindestens ein/e ErsthelferIn teilgenommen hat. Wir wissen jedoch nicht, wie oft LaienersthelferInnen einen Einsatz aus Sicherheitsgründen abgelehnt haben. Die meisten Systeme erlauben es den Freiwilligen, einen Einsatz jederzeit und ohne Angabe von Gründen abzulehnen oder abzubrechen.

RegionNumber of missions attended by at least one first responderNumber of reported adverse incidents
Austria, Vienna3612 *
Germany, Freiburg1 4360
Germany, Vorpommern-Greifswald1951 **
Sweden, Heartrunner System12 824<50
Switzerland, Basel and Baselland3110
Switzerland, Geneva2150
Switzerland, Ticino6590
Switzerland, Valais> 4500
Switzerland, Vaud5311*
Tabelle 1: Anzahl der gemeldeten Zwischenfälle (Gewalt, Diebstahl oder Bedrohung von ErsthelferInnen, PatientInnen oder Angehörigen) im Verhältnis zur Anzahl der besuchten ErsthelferInneneinsätze.
*Herzstillstand durch Selbstmord: Waffe an privatem Ort; ErsthelferInnen fühlten sich in ihrer Sicherheit nicht beeinträchtigt.
**Herzstillstand aufgrund von Drogenmissbrauch: Spritzen an einem privaten Ort; die ErsthelferInnen fühlten sich in ihrer Sicherheit nicht beeinträchtigt.

In allen Systemen, die in diese Analyse einbezogen wurden, werden die Laien-ErsthelferInnen systematisch nicht zu Notfällen entsandt, bei denen der Verdacht auf Verbrechen, Waffen, Gewalt, Feuer, Verkehrsunfälle oder andere potenziell gefährliche Situationen besteht. Es wird außerdem empfohlen, eine ständige Verbindung zwischen der Notrufzentrale und den Laien-ErsthelferInnen herzustellen, um den Einsatz jederzeit abbrechen zu können, wenn sich die Situation unerwartet als gefährlich erweist. Um die Sicherheit von PatientInnen und Angehörigen zu erhöhen, informiert die Leitstelle die Anrufenden über die sich nähernden ErsthelferInnen.

Etwa 70 % der befragten KanadierInnen und AmerikanerInnen gaben an, dass sie sich (sehr) wohl fühlen würden, wenn sie im privaten Umfeld einen Herzstillstand erleiden und ErsthelferInnen zu ihnen geschickt werden.

Um die Sicherheit von PatientInnen und Angehörigen zu erhöhen, verlangen die meisten Systeme von ihren ErsthelferInnen, dass sie sich mit Namen, Adresse und Qualifikation registrieren. Einige Systeme forden die Teilnahme an einer persönlichen Schulung.

Fazit:
Die Erfahrungen, die in vier verschiedenen europäischen Ländern über einen Zeitraum von sechs Jahren gesammelt wurden, legen nahe, dass die potenziellen Risiken des Einsatzes von Laien-ErsthelferInnen an privaten Orten beherrschbar sind, wenn Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

Zitation: Elsevier B.V. | First published: 30 September 2021 | https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2021.09.026

AutorInnen: Camilla Metelmann | Bibiana Metelmann | Lukas Herzberg | Angelo Auricchio | Enrico Baldi | Claudio Benvenuti | Roman Burkart | David Fredman | Mario Krammel | Michael P. Müller | Tommaso Scquizzato | Remy Stieglis | Leif Svensson | Karl Christian Thies

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