Basis-Reanimationsmaßnahmen (BLS) in Einrichtungen für geflüchtete Menschen und MigrantInnen

PULS hat gemeinsam mit dem Verein Zurück ins Leben unter der Leitung von Dr. Sebastian Schnaubelt (Medizinische Universität Wien) vor Kurzem ein weiteres Projekt erfolgreich abgeschlossen. Das vor einigen Jahren ins Leben gerufene Lehren von Basis-Reanimationsmaßnahmen (BLS) in Einrichtungen für geflüchtete Menschen und MigrantInnen ist bisher einzigartig. Es verfolgte einerseits die Vermittlung dieser wichtigen Kompetenz an diejenigen Menschen, die in Europa Schutz suchten, andererseits auch die Verstärkung der Integration im neuen Umfeld.

Die wissenschaftliche Begleitevaluation der Kurse mit aufwändiger Übersetzungsarbeit führte jetzt zur Publikation der Ergebnisse im renommierten Top-Fachjournal „European Journal of Clinical Investigation“. Die von den AutorInnen geforderte Erweiterung der Kurse unter weiterbestehender wissenschaftlicher Begleitung wird bereits im Rahmen dieser fruchtbaren Kooperation fortgesetzt.

Forschungshintergrund: Qualitativ hochwertige lebensrettende Sofortmaßnahmen (Basic Life Support, BLS), der erste Schritt in der Utstein-Formel für das Überleben, erfordern eine effektive Ausbildung für alle Arten von Bevölkerungsgruppen. Die Durchführbarkeit von BLS-Kursen für geflüchtete Menschen ist noch nicht ausreichend untersucht.

Methoden: Zwischen 2016 bis 2019 wurden BLS-Kurse mit AED-Training (Automatisierter Externer Defibrillator) für geflüchtete Menschen in Österreich durchgeführt. Vor und nach dem Kurs wurden die Einstellungen und das Wissen zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) mittels Fragebögen in der Muttersprache der TeilnehmerInnen erhoben, die von muttersprachlichen DolmetscherInnen validiert wurden.

Ergebnisse: Es wurden 147 TeilnehmerInnen (66 % männlich; 22 [17- 34] Jahre; 28 % <18 Jahre) aus 19 Ländern (74 % aus dem Nahen Osten) einbezogen. Während die Verfügbarkeit von BLS-Kursen in den Heimatländern der TeilnehmerInnen gering war (37 %), konnte nach Abhaltung der Kurse eine erhöhte Sensibilisierung für HLW und AED-Anwendung festgestellt werden. Die Bereitschaft, eine HLW durchzuführen, stieg von 25 % auf 99 %. Nach der HLW-Schulung wurde eine positive Auswirkung auf die Wahrnehmung der Integration der TeilnehmerInnen in ihrer neuen Umgebung bemerkt. Höheres Bildungsniveau, männliches Geschlecht, Alter <18 Jahre und frühere traumatisierende Erfahrungen wirkten sich positiv auf die Bereitschaft oder die Durchführung von HLW aus.

Fazit: BLS-Schulungen für geflüchtete Menschen sind durchführbar und erhöhen die Bereitschaft zur Durchführung von HLW in Notfallsituationen, was die Überlebenschancen nach einem Herzstillstand verbessern kann. Personen mit traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit, mit höherer Schulbildung oder mit einem Alter von weniger als 18 Jahren könnten für eine Ausbildung in fortgeschrittener Lebenserhaltung in Frage kommen. Interessanterweise haben diese BLS-Kurse das Potenzial, die Resilienz und Integration zu fördern. Daher sollte die HLW-Ausbildung für geflüchtete Menschen generell angeboten und weiter evaluiert werden.

Zitation: European Journal of Clinical Investigation | BLS courses for refugees are feasible and induce commitment towards lay rescuer resuscitation | First published: 29 June 2021 | DOI: https://doi.org/10.1111/eci.13644

AutorInnen: Sebastian Schnaubelt, Benedikt Schnaubelt, Arnold Pilz, Julia Oppenauer, Erdem Yildiz, Christoph Schriefl, Florian Ettl, Mario Krammel, Rakesh Garg, Alexander Niessner, Robert Greif, Hans Domanovits, Patrick Sulzgruber

Puls-Reanimationstraining: So einfach retten Sie Leben!

Bei einem leblosen Patienten nimmt die Überlebenswahrscheinlichkeit pro Minute um etwa zehn Prozent ab. Die rasche Hilfe durch Laien, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, ist somit oft die einzige Möglichkeit, einen Menschen wieder ins Leben zurückzuholen.

Schon durch wenige Handgriffe können Zeugen von lebensbedrohlichen Zwischenfällen effizient Hilfe leisten und so die Überlebenswahrscheinlichkeit von derzeit rund 20 Prozent auf mehr als 70 Prozent erhöhen. Doch nur wenige trauen sich auch einzugreifen: Als Grund für die unterlassene Hilfeleistung wurde von Befragten in erster Linie die Angst vor Fehlern und Unwissenheit angegeben.

Dabei gilt in einem solchen Notfall: Nur Nichtstun ist falsch!

Wenn ein Mensch keine Reaktion und keine normale Atmung hat, liegt ein Herzstillstand vor. Schnelles Handeln kann dann Leben retten. In den Puls-Reanimationstrainings  üben Sie die Herzdruckmassage und den Defi-Einsatz:

  • Verhalten im Notfall / Notrufnummern
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung – Training an der Puppe
  • Defibrillator (Defi) – Einsatzsimulation

Termine: Puls bietet an folgenden Tagen im PulsZentrum kostenlose Notfalltrainings an:

  • Mi, 14. Juli 2021, 18.00 bis 20.00 Uhr
  • Mi, 18. August 2021, 18.00 bis 20.00 Uhr
  • Mi, 15. September 2021, 16.00 bis 18.00 Uhr
  • Mi, 6. Oktober 2021, 16.00 bis 18.00 Uhr

Ort: PulsZentrum, 1090 Wien, Lichtentaler Gasse 4/1/R03 (Eingang um die Ecke – Salzergasse).

Hinweise:

  • begrenzte TeilnehmerInnenzahl | 3G-Nachweis | verbindliche Anmeldung
  • Dieses Reanimationstraining ersetzt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kurs bzw. -Auffrischung.

Jetzt zum Reanimationstraining anmelden!

Webinar des European Resuscitation Council: Teaching children BLS am 12. Mai 2021

Der Zweck dieses Webinars ist es, der ERC-Gemeinschaft verschiedene Ansätze, Methoden, Werkzeuge und Strategien zu präsentieren, um Kindern HLW beizubringen. Wir möchten die Vielfalt zeigen, die innerhalb der ERC-Gemeinschaft existiert und wie abwechslungsreich und unterschiedlich die Ausbildung von Kindern zur HLW in Europa ist. Es geht nicht um Vereinheitlichung und den „einen Weg“.

Thema: Teaching children BLS – a rapid fire session on different examples from Europe
Termin: 12. Mai 2021, 19.00 bis 20.30 Uhr (CEST)
Zugangslink: https://zoom.us/webinar/register/WN_O9J55C41T22jyC488mpQqw

Vorträge:

  • The children’s view on “Kids-Save-Lives”
    Jan Breckwoldt (Zürich, Switzerland)
  • The “Endless Book” and the “Rescube”: new didactic material to teach children BLS
    Cristian Abelairas Gómez and Cristina Varela Casal (Vigo, Spain)
  • PULS: Teaching 30.000 school children every year, the Viennese Way
    David Weidenauer (Vienna, Austria)
  • Modular teacher training course of the German Resuscitation Council for resuscitation lessons in schools
    Gernot Rücker (Rostock, Germany)
  • The AED Training Box for widespread AED training in schools
    Clint Jean Louis (Pamplona, Spain)
  • How to teach children with Virtual Reality (VR)
    Federico Semeraro (Bologna, Italy)
  • Review of Commercial Available Mobile Applications Designed to Teach Children Basic Life Support
    Nino Fijačko (Maribor, Slovenia)
  • Building a sustainable model for CPR training in the community
    Jason Carlyton (London, UK)

Clever, fit & cool

Puls unterstützt zum wiederholten Mal eine Inititiative des Instituts für Frauen- und Männergesundheit – FEM Süd und MEN und beteiligt sich an Gesunheitstagen unter dem Titel clever, fit & cool in Wiener Volksschulen. Aufgrund der Pandemie können diese Gesundheitstage derzeit nicht in den Schulen stattfinden. Daher steuert Puls Inhalte für 80 Toolboxen bei, die das Lehrpersonal dabei unterstützen sollen, den Kindern Reanimationsmaßnahmen im Fall des plötzlichen Herztodes zu vermitteln.

Puls stellt als Unterrichtunterlage ein Handbuch für die PädagogInnen, eine aufblasbare Reanimationspuppe sowie ein Video-Tutorial zur Verfügung. Damit können die Lehrenden die Kinder in Reanimation schulen. Das Lehrvideo wurde bewusst einfach und kindgerecht gestaltet, damit Kinder dieses auch selbständig über Smartphone, Tablet oder PC abrufen können.

Wiener Ehrenamtswoche

Vom 25. Juni bis 1. Juli, zwischen Notenschluss und Zeugnistag, heißt es für Schulklassen „Einfach machen!“. Puls unterstützt diese Aktion aktiv, und zeigt Kindern und Jugendlichen welchen Beitrag sie im Bereich der Reanimation ehrenamtlich leisten können.

WIENXTRA organisiert die Wiener Ehrenamtswoche als Initiative der Stadt Wien, unter der Schirmherrschaft von Jugendstadtrat Christoph Wiederkehr. Mit der Ehrenamtswoche wird eine Maßnahme der Kinder- und Jugendstrategie der Stadt Wien umgesetzt. Die Ehrenamtswoche wurde von der Bildungsdirektion für Wien als schulbezogen erklärt.

Puls wird mit folgendem Projekt vertreten sein:
Kinder lernen lebensrettende Sofortmaßnahmen und werden zu Wiederbelebungs-Botschafter_innen

Ziel: 

  • Kinder für Wiederbelebung gewinnen,
  • lebensrettende Sofortmaßnahmen lernen,
  • Awareness schaffen,
  • Ängste abbauen,
  • selbstbewusstes Verhalten in Wiederbelebungssituationen üben,
  • Kinder motivieren zu Botschafter_innen für Wiederbelebung zu werden,
  • ehrenamtliches Engagement vermitteln.

Ablauf/Tätigkeit für Schulklassen: 

  • Profis vermitteln den Schüler_innen lebensrettende Sofortmaßnahmen, theoretisch und praktisch.
  • Die Schüler_innen werden durch diese Aktion selbst zu Botschafter_innen für diese Sache. Sie sind angehalten, ihre Familie, Freunde, Verwandten, …  auf die Maßnahmen zur Wiederbelebung aufmerksam zu machen und das Erlernte zu teilen, z.B. an Stofftieren zu demonstrieren oder TikTok Videos dazu zu machen … 

Die Bildungsdirektion Wien hat die Veranstaltungen der Ehrenamtswoche als schulbezogen erklärt.
Die Begleitung einer Lehrperson ist verpflichtend (Aufsichtserlass).

Schulstufe: 1.-13. Schulstufe

Bei der Durchführung des Projektes werden die gültigen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung beachtet.

Fotogalerie
(Fotos: Puls | Bader)

ERC-Leitlinien 2021 nachlesen

Die Leitlinien des European Resuscitation Council for Resuscitation (Europäischer Rat für Wiederbelebung) bieten spezifische Anweisungen, wie Wiederbelebung praktiziert werden sollte, und berücksichtigen sowohl die Lehr- und Lernfreundlichkeit als auch die Wissenschaft. Sie wurden von EuropäerInnen entwickelt und speziell mit Blick auf die europäische Praxis verfasst.

Neue Leitlinien zur Wiederbelebung veröffentlicht

Puls – Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes hat am 29. März 2021 in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien – Univ. Klinik für Notfallmedizin (MUW) und der Berufsrettung Wien (MA 70) im Sinne des Wissenstransfers ein Webinar zu den Neuerungen der Leitlinien des Europäischen Rates für Wiederbelebung angeboten. Über 3.200 Anmeldungen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben das hohe Interesse an diesem wichtigen Thema widergespiegelt.

Rund 3.000 Menschen sterben jedes Jahr in Wien am plötzlichen Herztod. Viele könnten gerettet werden, wenn frühzeitig mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird. Das machen auch die aktuellen internationalen Leitlinien zur Wiederbelebung einmal mehr deutlich: Es kommt auf die ersten Minuten an! „Jede Minute zählt! – Das ist nur dann möglich, wenn auch mehr Laien mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen und zwar noch bevor die Rettung eintrifft“, ist Prof. Harry Kopietz, Präsident von Puls überzeugt. „Mein Dank gilt daher ganz besonders den Vortragenden, dass sie sich dafür einsetzen. Mit Hochdruck wurde dieses Webinar zu den neuersten Leitlinien umgesetzt, um das aktuelle Wissen so rasch und so gut erklärt wie möglich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

Dozent. Dr. Patrick Sulzgruber (MedUni Wien | wissenschaftliche Projektleitung Puls) moderierte das Webinar und erklärte eingangs, dass der Europäische Rat für Wiederbelebung alle fünf Jahre wissenschaftlich fundiert die international geltenden Leitlinien für Wiederbelebung aktualisiert. Insofern sei eine rasche Wissensverbreitung notwendig, um die Laienreanimation entsprechend voranzutreiben. Wesentlich sei jedenfalls: kräftig und schnell ohne Unterbrechung auf den Brustkorb zudrücken und wenn möglich auch Laien-Defi einzusetzen.

Dr. Mario Krammel (Chefarzt der Berufsrettung Wien | geschäftsführender Präsident Puls) zeigte sich erfreut, dass in Wien immerhin bereits 65 % der Reanimationen der raschen Ersthilfe durch Laien zugeordnet werden kann. Dennoch gäbe es noch Luft nach oben, denn international gesehen liege in manchen Ländern die Quote bei über 80 Prozent,  so Krammel weiter.

Gutes noch besser machen!

Erweitert wurden die bereits in Fachkreisen für hochentwickelt angesehenen Leitlinien in den Bereichen „Epidemiologie“ und „Systeme, die Leben retten“. Damit besteht dieses Regelwerk nun aus elf Kapiteln, die detailliert und umfassend die gesamte wissenschaftliche Basis und die daraus abgeleiteten Therapieempfehlungen darlegen. Die Kapitel lauten: Epidemiologie |  Systeme, die Leben retten | Basismaßnahmen zur Wiederbelebung Erwachsener (BLS) | erweiterte Reanimationsmaßnahmen für Erwachsene (ALS) | Kreislaufstillstand unter besonderen Umständen | Postreanimationsbehandlung | Erste Hilfe | Die Versorgung und Reanimation des Neugeborenen nach der Geburt (NLS) | lebensrettende Maßnahmen bei Kindern (PLS) | Ethik.

Dr. Matthias Müller (Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien) erläuterte im ersten Vortrag den Leitlinienprozess und sprach darüber, wie Guidelines generell entstehen. Dabei gab er einen kurzen historischen Überblick und stellte dann die wissenschaftlichen Verfahren näher vor.

Dr. Mario Krammel zeigte die aktuellen Neuerungen der ERC-Leitlinien, die am 25. und 26. März 2021 beim ERC-Online-Kongress vorgestellt wurden, im Einzelnen auf. Sein Credo lautet daher: „Auch deine Hände können Leben retten!“ Insofern sei es wichtig, die Aufklärungsarbeit fortzusetzen, wie beispielsweise die konsequente Umsetzung von strukturierten Reanimationstrainings an Schulen. Aber auch die professionelle Anleitung in Wiederbelebung über Telefon durch die Rettungsleitstelle, das Etablieren von Ersthelfersystemen wie der LebensretterApp oder aber dem Definetzwerk (www.definetzwerk.at) würden eine wichtigen Beitrag leisten und dabei unterstützen, dem plötzlichen Herztod entgegentreten und zu mehr Überlebenden mit gutem neurologischem Outcome beitragen.

Dr. Alexander Nürnberger (Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien) sprach im dritten Vortrag „Advanced Life Support – alles neu oder doch ein alter Hut?“ über den Algorithmus der erweiterten Reanimationsmaßnahmen bei Erwachsenen, die aktuellen Empfehlungen zu Defibrillation, Atemwegssicherung und Medikamentengabe im Kreislaufstillstand sowie die Rolle von Ultraschall, mechanischen Thoraxkompressionsgeräten und extrakorporaler CPR.

Erster Platz bei Veronika-Fialka-Moser-Diversitätspreis

Basic life support courses for refugees are feasible and induce awareness and commitment towards lay rescuer resuscitation in a new population group

Um die bewusste Auseinandersetzung mit Diversität an der Medizinischen Universität Wien gezielt zu fördern, vergibt die MedUni Wien den Veronika-Fialka-Moser-Diversitäts-Preis. Damit sollen Leistungen in diesem Bereich honoriert und Vielfalt sichtbar gemacht werden. Der Preis ist nach Veronika Fialka-Moser, Professorin für Physikalische Medizin, benannt, um ihre langjährigen Verdienste im Bereich Diversity Management an der MedUni Wien zu würdigen.

Der Erste Platz in der Kategorie Forschung erging an Puls-Mitglied Dr. Sebastian Schnaubelt (Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien) und die Puls-Co-AutorInnen: 

  • Dr. Mario Krammel
    Chefarzt der Berufsrettung Wien, geschäftsführender Präsident Puls
  • Dr. Christoph Schriefl
    Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien
  • Univ. Lektor Dr. Florian Ettl
    Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien, Vorstandsmitglied Puls
  • Univ. Prof. Alexander Niessner
    Univ. Klinik für Innere Medizin II
  • Univ. Prof. Hans Domanovits
    Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien
  • Priv. Doz. Dr. Patrick Sulzgruber
    Univ. Klinik für Innere Medizin II MedUni Wien, Teamleitung Wissenschaft und Forschung Puls

Summary:
Das Forschungsprojekt, das von Puls in Zusammenarbeit mit der MedUni und der Berufsrettung durchgeführt wurde, hatte das Planen, Etablieren und Durchführen von Basic-Life-Support-Kursen (Basis-Wiederbelebungskurse) für geflüchtete Menschen und deren wissenschaftliche Begleitung und Auswertung zum Inhalt. Es wurden ein Verein gegründet, Mitglieder angeworben und geschult, der Kontakt zu den jeweiligen (politischen oder anderen) Entscheidungsträgern gesucht, und ein wissenschaftliches Konzept erarbeitet.

Schließlich wurden etwa 200 geflüchtete Menschen (der Großteil in Unterbringungszentren) geschult und wissenschaftlich beobachtet. Durch die Gewinnung von Native Speakern der unterschiedlichen Sprachen und Beratern für die unterschiedlichen Kulturkreise und Heimatländer konnte eine Vermittlung der Inhalte und eine korrekte Auswertung von Fragebögen und Interviews für die wissenschaftliche Begleitung sichergestellt werden.

Das Abbilden einer Machbarkeit von Reanimationskursen einerseits, und deren nachhaltiger Impact auf die Bevölkerungsgruppe der Geflüchteten im Speziellen und auf die Gesamtbevölkerung im Allgemeinen waren die Hauptziele der Forschungsarbeit. Durch die geplante Publikation der Ergebnisse soll EntscheidungsträgerInnen eine Basis geboten werden, die Vermittlung von Gesundheitsfragen (und insbesondere die wichtige Kenntnis der Wiederbelebung) in der Gruppe der Geflüchteten und MigrantInnen zu etablieren. Hier kann sowohl der Gruppe als solcher zu mehr Selbstvertrauen und Problemlösungskompetenz verholfen werden, als auch deren Integration in die Gesamtbevölkerung gestärkt werden (Stichwort Flüchtling rettet einer/m zusammengebrochenen PassantIn das Leben).  

Hinweis:

Weitere Informationen zum Nachlesen finden Sie auf der Website der Medizinischen Universität Wien

Foto: Vizerektorin Michaela Fritz, Preisträger Sebastian Schnaubelt (c) Medizinische Universität Wien

ERC-Leitlinien 2021: Was ist neu in der Reanimationsbehandlung?

Webinar: 29. März 2021, 18:00 bis 19:30 Uhr

Puls bietet in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und der Berufsrettung Wien die aktuellen ERC-Leitlinien kompakt aufbereitet in einem Webinar an. Die Vortragenden präsentieren dabei nachstehende Inhalte und stehen für Fragen zur Verfügung:

  1. Leitlinienprozess – wie Guidelines entstehen
    Vortragender: Dr. Matthias Müller | Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien
  2. Basic Life Support und AED Anwendung
    Vortragender: Dr. Mario Krammel | Chefarzt Berufsrettung Wien
  3. Advanced Life Support – alles neu oder doch ein alter Hut?
    Vortragender: Dr. Alexander Nürnberger | Univ. Klinik für Notfallmedizin MedUni Wien

Zum Webinar anmelden (klicken)

HINWEIS: Den Anmeldelink senden wir allen angemeldeten TeilnehmerInnen kurz vor der Veranstaltung zu.

HINWEIS: Diese Veranstaltung ist mit 2 Fortbildungsstunden (MA70) entsprechend SanG sowie 2 DFP-Punkten (ÖÄK) anrechenbar.

Hohe Qualität der Reanimation auch unter Covid-Bedingungen sichergestellt

Die Universitätsklinik für Notfallmedizin von MedUni Wien und AKH Wien zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Rettungsmedizin und der Wiederbelebung nach Herzstillstand. In einer gemeinsamen Studie von Puls, MedUni und Berufsrettung Wien konnte gezeigt werden, dass die hohe Behandlungsqualität auch unter Covid-Schutzmaßnahmen sichergestellt werden kann. In lebensnahen Szenarien führten die NotfallsanitäterInnen der Berufsrettung Wien Wiederbelebungsmaßnahmen in voller Schutzausrüstung durch.

„In der nun im Top-Journal ‚Resuscitation‘ zur Publikation angenommenen Studie konnten wir zeigen, dass die hohe Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen auch unter Covid-Vollschutz aufrecht erhalten werden kann“, so Studien-Erstautor Dr. Calvin Lukas Kienbacher. „Wir haben dabei sowohl die Wirksamkeit der Reanimation selbst, als auch die körperliche Belastung der HelferInnen untersucht.“ „Die Wiederbelebung nach Kreislaufstillstand, zum Beispiel im Rahmen des ‚plötzlichen Herztods‘, zählt zu den herausforderndsten Maßnahmen in der Rettungs- und Notfallmedizin.  Umso wichtiger ist es, dass diese oft lebensrettenden Maßnahmen auch in der derzeitigen Situation in der gewohnt hohen Qualität durchgeführt werden können.“ ergänzt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls.

Ziel: Frühere Studien legten nahe, dass die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung die Qualität der der Intensivmedizin beeinträchtigt. Untersucht wurde der Einfluss von persönlicher Schutzausrüstung auf die präklinische Reanimation durch Rettungsdienstpersonal.

Methoden: Randomisierte, kontrollierte, non-inferiorityTriple-Crossover-Studie. Achtundvierzig Notfallssanitäter randomisiert in Zweierteams, führten 12 Minuten Basic Life Support an einer Übungspuppe durch. Drei Szenarien wurden in einer randomisierter Reihenfolge durchgeführt:

  • Ohne persönliche Schutzausrüstung, mit persönlicher Schutzausrüstung
  • mit persönlicher Schutzausrüstung einschließlich einer Filtermaske (FFP) 2 mit Ventil und
  • mit persönlicher Schutzausrüstung einschließlich einer FFP2-Maske ohne Ventil.

Als primärer Endpunkt wurde die Drucktiefe der Thoraxkompression definiert. Zu den sekundären Endpunkten gehörten andere Messungen der Reanimationsqualität, die subjektive Erschöpfung sowie die Vitalparameter der Helffer, einschließlich deren endtidalem CO2.

Schlussfolgerung: PSA, einschließlich Masken mit und ohne Exspirationsventil, ist sicher in der Anwendung ohne Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der HLW-Qualität.

Zitation: The use of personal protection equipment does not impair the quality of cardiopulmonary resuscitation – A prospective triple-cross over randomised controlled non-inferiority trial

Open AccessPublished: January 29, 2021 DOI: https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2021.01.021

Calvin Lukas Kienbacher, Jürgen Grafeneder, Katharina Tscherny, Mario Krammel, Verena Fuhrmann, Maximilian Niederer, Sabine Neudorfsky, Klaus Herbich, Wolfgang Schreiber, Harald Herkner, Dominik Roth