Basis-Reanimationsmaßnahmen (BLS) in Einrichtungen für geflüchtete Menschen und MigrantInnen

PULS hat gemeinsam mit dem Verein Zurück ins Leben unter der Leitung von Dr. Sebastian Schnaubelt (Medizinische Universität Wien) vor Kurzem ein weiteres Projekt erfolgreich abgeschlossen. Das vor einigen Jahren ins Leben gerufene Lehren von Basis-Reanimationsmaßnahmen (BLS) in Einrichtungen für geflüchtete Menschen und MigrantInnen ist bisher einzigartig. Es verfolgte einerseits die Vermittlung dieser wichtigen Kompetenz an diejenigen Menschen, die in Europa Schutz suchten, andererseits auch die Verstärkung der Integration im neuen Umfeld.

Die wissenschaftliche Begleitevaluation der Kurse mit aufwändiger Übersetzungsarbeit führte jetzt zur Publikation der Ergebnisse im renommierten Top-Fachjournal „European Journal of Clinical Investigation“. Die von den AutorInnen geforderte Erweiterung der Kurse unter weiterbestehender wissenschaftlicher Begleitung wird bereits im Rahmen dieser fruchtbaren Kooperation fortgesetzt.

Forschungshintergrund: Qualitativ hochwertige lebensrettende Sofortmaßnahmen (Basic Life Support, BLS), der erste Schritt in der Utstein-Formel für das Überleben, erfordern eine effektive Ausbildung für alle Arten von Bevölkerungsgruppen. Die Durchführbarkeit von BLS-Kursen für geflüchtete Menschen ist noch nicht ausreichend untersucht.

Methoden: Zwischen 2016 bis 2019 wurden BLS-Kurse mit AED-Training (Automatisierter Externer Defibrillator) für geflüchtete Menschen in Österreich durchgeführt. Vor und nach dem Kurs wurden die Einstellungen und das Wissen zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) mittels Fragebögen in der Muttersprache der TeilnehmerInnen erhoben, die von muttersprachlichen DolmetscherInnen validiert wurden.

Ergebnisse: Es wurden 147 TeilnehmerInnen (66 % männlich; 22 [17- 34] Jahre; 28 % <18 Jahre) aus 19 Ländern (74 % aus dem Nahen Osten) einbezogen. Während die Verfügbarkeit von BLS-Kursen in den Heimatländern der TeilnehmerInnen gering war (37 %), konnte nach Abhaltung der Kurse eine erhöhte Sensibilisierung für HLW und AED-Anwendung festgestellt werden. Die Bereitschaft, eine HLW durchzuführen, stieg von 25 % auf 99 %. Nach der HLW-Schulung wurde eine positive Auswirkung auf die Wahrnehmung der Integration der TeilnehmerInnen in ihrer neuen Umgebung bemerkt. Höheres Bildungsniveau, männliches Geschlecht, Alter <18 Jahre und frühere traumatisierende Erfahrungen wirkten sich positiv auf die Bereitschaft oder die Durchführung von HLW aus.

Fazit: BLS-Schulungen für geflüchtete Menschen sind durchführbar und erhöhen die Bereitschaft zur Durchführung von HLW in Notfallsituationen, was die Überlebenschancen nach einem Herzstillstand verbessern kann. Personen mit traumatischen Erlebnissen in der Vergangenheit, mit höherer Schulbildung oder mit einem Alter von weniger als 18 Jahren könnten für eine Ausbildung in fortgeschrittener Lebenserhaltung in Frage kommen. Interessanterweise haben diese BLS-Kurse das Potenzial, die Resilienz und Integration zu fördern. Daher sollte die HLW-Ausbildung für geflüchtete Menschen generell angeboten und weiter evaluiert werden.

Zitation: European Journal of Clinical Investigation | BLS courses for refugees are feasible and induce commitment towards lay rescuer resuscitation | First published: 29 June 2021 | DOI: https://doi.org/10.1111/eci.13644

AutorInnen: Sebastian Schnaubelt, Benedikt Schnaubelt, Arnold Pilz, Julia Oppenauer, Erdem Yildiz, Christoph Schriefl, Florian Ettl, Mario Krammel, Rakesh Garg, Alexander Niessner, Robert Greif, Hans Domanovits, Patrick Sulzgruber