Reanimation mit Covid-Schutzausrüstung

Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit bei Reanimation durch persönliche Covid-Schutzausrüstung nicht beeinträchtigt

Die Universitätsklinik für Notfallmedizin von MedUni Wien und AKH Wien zählt zu den weltweit führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Rettungsmedizin und der Wiederbelebung nach Herzstillstand. In einer gemeinsamen Studie von Puls, MedUni und Berufsrettung Wien konnte gezeigt werden, dass die Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit auch unter Covid-Schutzmaßnahmen sichergestellt ist. In lebensnahen Szenarien führten die NotfallsanitäterInnen der Berufsrettung Wien Wiederbelebungsmaßnahmen in voller Schutzausrüstung durch.

„Die Wiederbelebung nach Kreislaufstillstand, zum Beispiel im Rahmen des ‚plötzlichen Herztods‘, zählt zu den herausforderndsten Maßnahmen in der Rettungs- und Notfallmedizin.  Umso wichtiger ist es, dass diese oft lebensrettenden Maßnahmen auch in der derzeitigen Situation in der gewohnt hohen Qualität durchgeführt werden können.“ erklärt Mario Krammel, Chefarzt der Berufsrettung Wien und geschäftsführender Präsident von Puls.

Ziel: Frühere Studien legten nahe, dass die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) die Qualität der der Intensivmedizin beeinträchtigt. Im Sinne eines größtmöglichen Selbstschutzes gilt das Tragen von FFP-Masken auch für Notfall-SanitäterInnen. Die Studie untersuchte, wie das Tragen einer FFP-Maske die Rettungskräfte bei grundlegenden lebenserhaltenden Maßnahmen (Reanimation) an PatientInnen mit einer möglichen SARS-CoV-2-Infektion beeinflusst.

Methoden: Um Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit in Reanimation-Situationen zu beurteilen, gibt es valide Testmethoden. Das Ziel der Studie war es, den Einfluss von verschiedenen Arten von FFP-Masken auf diese beiden neuropsychologischen Komponenten des Rettungsdienstpersonals in Reanimation-Situationen zu untersuchen.

An der Studie nahmen 48 SanitäterInnen teil. Für die Untersuchung wurden sie in Teams eingeteilt, die dann jeweils drei Stockwerke mit ihrer kompletten Notfall-Ausrüstung hinauf liefen und dort zwölf Minuten lang Reanimations-Szenarien entsprechend den aktuellen ECR-Leitlinien an Übungspuppen absolvierten. Dabei trugen sie entweder

  • keine FFP2-Maske,
  • eine FFP2-Maske mit Ausatemventil oder
  • eine herkömmliche FFP2-Maske.

Die Teams und Interventionssequenzen wurden ständig zufällig verändert. Ein Psychologe maß unmittelbar nach jedem Durchgang die Veränderung der Konzentrationsleistung aller Teilnehmenden.

Schlussfolgerung: PSA, einschließlich Masken mit und ohne Exspirationsventil, ist sicher in der Anwendung ohne Bedenken hinsichtlich der Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit von Notfall-SanitäterInnen.

Zitation: The use of personal protection equipment does not negatively affect paramedics’ attention and dexterity: a prospective triple-cross over randomized controlled non-inferiority trial

Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine volume 30, Article number: 2 (2022) DOI: https://doi.org/10.1186/s13049-021-00990-3

Calvin Lukas Kienbacher, Jürgen Grafeneder, Katharina Tscherny, Mario Krammel, Verena Fuhrmann, Maximilian Niederer, Sabine Neudorfsky, Klaus Herbich, Wolfgang Schreiber, Harald Herkner, Dominik Roth